Erste Eindrücke

Jetzt bin ich bereits fast vier Wochen hier in Atlanta. In den ersten Tagen nach der Ankunft hat es immer wieder geregnet, was für diese Jahreszeit sehr untypisch ist. Die Ursache dafür war ein tropischer Sturm in Florida. Man konnte bemerken, dass es hier nicht sehr oft regnet bzw. dass man nicht auf Regen vorbereitet ist. Hier sind Flächen von mehreren 100 Quadratmetern (Straßen, Plätze, …) ohne Abfluss zubetoniert – schon bei leichtem Regen steht das Wasser zwei Zentimeter hoch. Ansonsten ist das Wetter hier sehr angenehm – leicht bewölkt bis sonnig. Die Hitze und extreme Luftfeuchtigkeit sind leicht zu ertragen – es ist nicht so schlimm als ich mir vorgestellt habe. Außerdem wird alles klimatisiert. Fenster und Türen sind meist angelaufen – draußen hat es 29 Grad mit 90% Luftfeuchtigkeit und drinnen 18 Grad. Jeder zieht sich einen Pullover oder eine Jacke an wenn er rein geht.

Ein paar Worte zur Einreise: Für die Einreise am Flughafen haben wir ungefähr zwei Stunden gebraucht. Es ist alles absolut problemlos abgelaufen. Es sind keine Gepäcksstücke geöffnet worden und das Notebook mussten wir nicht einmal einschalten.

Roberto C. Goizueta Business School, August 2008
Roberto C. Goizueta Business School, August 2008

Am Campus und der Ausstattung kann man sehr leicht erkennen dass studieren hier sehr teuer ist. Die Studiengebühren belaufen sich auf ungefähr USD 20.000 – inkl. aller verpflichtenden Beiträge kostet einem ordentlichen Studenten das Semester circa USD 25.000. Man merkt dies daran, dass die Bibliothek nur Freitag- und Samstagnacht geschlossen ist – ansonsten 24 Stunden geöffnet ist und das Personal vom Fach ist, d.h. aktive Unterstützung bei der Literaturrecherche leistet. Weiters merkt man es an der IT: Viele Arbeitsplätze haben zwei Monitore, kleinere Monitore als 19 Zoll existieren nicht und man kann überall drucken und scannen. Auch die neuen iMacs stehen den Studenten zur Verfügung.

Auffällig ist auch, dass schlechter bezahlte Positionen deutlich stärker von Schwarzen besetzt sind (Sekretariat, Öffentlicher Verkehr, Küche, Polizei, Rezeption, …). Dabei muss man bedenken, dass es bis in die 1970iger Jahre in den Südstaaten Rassentrennung gab. Öffentlicher Konflikt ist es nicht – Verachtung konnte ich bis jetzt nicht feststellen, aber man kann spüren, dass dies erst 30 bis 40 Jahre zurück liegt.

Essen und Trinken ist gewöhnungsbedürftig. An der Uni (vergleichbar mit Mensa) bezahlt man für ein durchschnittliches Essen circa acht Dollar mit mäßiger Qualität. Vor ungefähr einer Woche habe ich mir gründlich den Magen verdorben, wodurch ich jetzt sehr viel mehr selber koche. Mineral ist praktisch nicht zu kaufen – es gibt nur Gerolsteiner und San Pellegrino (USD 2,5 / Liter) mit einer Menge von 20 Flaschen in einem riesigen Supermarkt. Die Menschen trinken Leitungswasser, das einen Chlorgehalt von einem Swimmingpool hat.

Atlanta Downtown, ISSP Stadtrundfahrt, September 2008
Atlanta Downtown, ISSP Stadtrundfahrt, September 2008

Bis jetzt habe ich schon einiges von Atlanta gesehen: Wir waren in einer Studenten-Bar, einer Sports-Bar, Abendessen in der Austern-Bar „Six Feet Unter“ und besuchten den – anscheinend sehr berühmten Club – „Opera“ (Eintritt USD 20,00). Auch auf einer Hausparty waren wir bereits. Es ist tatsächlich wie wir es aus amerikanischen Filmen wie American Pie kennen: Leute ohne Ende, es tauchen Personen auf, die niemand kennt und es wird ordentlich getrunken! Ich habe auch an einer Stadtrundfahrt teilgenommen wo wir die Jimmy-Carter-Präsidenten-Bibliothek und das Martin Luther King Center besucht haben. Wir sind ebenfalls an Margrets Mitchells Haus (sie schrieb „Vom Winde verweht“), dem CocaCola-Museum, dem Georgia Aquarium und den CNN-Headquaters vorbeigekommen. In den nächsten Tagen werden wir nach Savannah fahren – eine berühmte Stadt die an der Küste liegt, circa fünf Autostunden von Atlanta entfernt.

Der Unterricht wird absolut lebhaft gestaltet, ist sehr interaktiv und wird daher keine Sekunde langweilig. Sie Studenten sind absolut diszipliniert – ich habe es noch nicht erlebt, dass in Lehrveranstaltungen getratscht wird. Eine meiner Lehrveranstaltungen ist Consulting, bei der wir in einem realen Projekt mit einem Klienten zusammenarbeiten. Es wird Professionalität in jeder Hinsicht erwartet. Anzug und Krawatte gehört dazu. Übrigens wird dies generell erwartet – bei einigen Lehrveranstaltungen wird bei Präsentationen zumindest „Business Casual“ – also keine Jeans – erwartet. Man merkt, dass die Universität einen exzellenten Ruf hat (insbesondere dort wo man mit Unternehmen zusammenarbeitet). Einer meiner Professoren leitet eine selbst gegründete Agentur mit der er sehr reich geworden ist. Er lässt sich immer von seinem Chauffeur in seinem Lincoln an die Uni bringen. Er unterrichtet „Ideation“. In diesem Kurs versucht er uns beizubringen was wirklich in Unternehmen steckt – noch vor Strategie und Vision: die Idee und die Werte der Gründer. Er ist ein absolutes Genie!

Soweit mein erster Bericht! Liebe Grüße aus Atlanta,

Daniel Kaar
danielkaar.com


Dieser Bericht ist auch auf der News-Seite der Johannes Kepler Universität veröffentlicht: http://www.jku.at

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